Sonys Bungie-Übernahme sollte der Startschuss für eine neue Live-Service-Ära sein — stattdessen steht der PlayStation-Konzern heute vor einem der kostspieligsten Fehler in der jüngeren Spielegeschichte. Was einmal als Milliarden-Investment mit Zukunftsgarantie galt, hat sich zum größten Sanierungsfall im Sony-Portfolio entwickelt.
Die Bungie-Übernahme: 3,6 Milliarden für einen Traum
Als Sony das Studio im Jahr 2022 für stolze 3,6 Milliarden US-Dollar kaufte, galt Bungie als der wichtigste Pfeiler für die geplante Neuausrichtung im Multiplayer-Bereich. Der Plan war klar: Mit dem Schöpfer von Destiny und Halo sollte PlayStation zum dominanten Live-Service-Anbieter aufsteigen. Der Destiny-Entwickler sollte damals eine zentrale Rolle in Sonys Live-Service-Strategie spielen — Bungie brachte Erfahrung mit langlebigen Online-Spielen, starken Community-Strukturen und wiederkehrenden Umsätzen mit.
Dass dieser Traum so schnell platzen würde, ahnte damals kaum jemand.
Abschreibungen in Serie: Fast 765 Millionen Dollar verloren
Sony verbuchte im gesamten Fiskaljahr 2025 insgesamt 120,1 Milliarden Yen an Wertminderungen auf Bungies Vermögenswerte — zum aktuellen Kurs entspricht das rund 766 Millionen US-Dollar, die aus dem Wert eines Studios verschwunden sind, das Sony einst für 3,6 Milliarden Dollar erwarb.
Die Verluste kamen in zwei Schüben:
- Im zweiten Quartal des Fiskaljahres 2025 entfiel eine Wertminderung von 31,5 Milliarden Yen auf die Underperformance von Destiny 2.
- Im vierten Quartal kamen weitere 88,6 Milliarden Yen hinzu — umgerechnet rund 560 Millionen US-Dollar.
Wichtig dabei: Eine Wertminderung bedeutet nicht, dass Sony diese Summe direkt „verloren" oder ausgegeben hat. Es heißt vielmehr, dass der bilanzierte Wert von Bungie nach unten korrigiert wurde, weil die erwarteten zukünftigen Erträge geringer ausfallen als zuvor angenommen. Trotzdem ist das Signal eindeutig.
Destiny 2 und Marathon: Zwei schwächelnde Standbeine
Inhaltliche Kurswechsel, Monetarisierungsprobleme, Verzögerungen, Entlassungen und Führungswechsel haben dazu beigetragen, dass Bungie heute ein völlig anderes Bild abgibt, als Sony es sich beim Kauf wohl vorgestellt hatte.
Destiny 2, Bungies Flaggschiff im Live-Service-Bereich, hat auf der Plattform seinen bisher tiefsten Stand erreicht. Der Versuch des Studios, Ressourcen von Destiny 2 abzuziehen, um die Fertigstellung von Marathon zu sichern, hat der Popularität des Loot-Shooters nachhaltig geschadet.
Marathon, das neue Extraction-Shooter-Projekt, sollte die Wende bringen — doch auch hier blieb der große Knall aus. Laut Schätzungen des Analysten Rhyss Elliott von Alinea Analytics soll Marathon rund 1,2 Millionen Exemplare auf PS5, Xbox Series X|S und PC verkauft haben, wobei fast 70 Prozent der Verkäufe über Steam liefen. PS5 soll für etwa 19 Prozent verantwortlich sein.
Berichten zufolge lag das Entwicklungsbudget von Marathon bei über 200 Millionen US-Dollar, womöglich sogar über 250 Millionen — ohne laufende Wartungs- und Content-Kosten. Bei diesen Zahlen wirken 1,2 Millionen verkaufte Einheiten alles andere als ein Erfolg.
Entlassungen, CEO-Wechsel und interne Turbulenzen
Die Bungie-Krise ist nicht nur eine Frage der Zahlen — sie ist auch eine menschliche Geschichte. Bungie wurde mit rund 1.600 Mitarbeitern übernommen; durch Entlassungswellen in den Jahren 2023 und 2024 verlor das Studio über 750 Angestellte und schrumpfte damit auf etwa die Hälfte seiner ursprünglichen Größe.
Der Sturz von Pete Parsons
Bungie-CEO Pete Parsons trat nach über zwei Jahrzehnten im Studio zurück. Er war in den vergangenen Jahren sowohl von Fans als auch von Mitarbeitern stark kritisiert worden, insbesondere nach mehreren Entlassungswellen. Parsons wurde als CEO von Justin Truman abgelöst, der seit 15 Jahren bei Bungie arbeitet und an beiden Destiny-Spielen sowie zuletzt an Marathon beteiligt war.
Zudem geriet Parsons in die Kritik, weil er seit der Sony-Übernahme Millionen von Dollar für klassische Autos ausgegeben und mit seiner luxuriösen Sammlung geprahlt haben soll — während gleichzeitig Mitarbeiter ihren Job verloren.
Wurden Zahlen geschönt?
Ehemaligen Mitarbeitenden zufolge soll Bungie die finanzielle Lage gegenüber Sony beschönigt haben — das Studio habe übermäßig positive Finanzerwartungen geweckt, die Sony zu der hohen Zahlung veranlasst hätten. Als Alternative zur Sony-Übernahme wäre sogar eine Insolvenz im Raum gestanden.
Wie geht es weiter?
Sony hält trotz der massiven Belastungen weiter an Marathon fest. Finanzchefin Lin Tao erklärte, dass Sony die Performance des
