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Berlin als Stadtstaat am Abgrund, eine vollklimatisierte Kuppel über den Privilegierten und draußen Hitze, Korruption und Verbrechen: Mit diesem Bild beginnt die City of Blood Serie, die Disney+ am 16. September 2026 mit allen acht Folgen auf einmal veröffentlicht hat. Regie führt Philipp Kadelbach, vor der Kamera stehen unter anderem Lea Drinda, Soma Pysall, Jördis Triebel und Lars Eidinger. Zwei Kritiken lagen schon vor dem Starttag vor — und ausgerechnet beim Aussehen der Serie widersprechen sie sich.

Woher die Bewertungen in diesem Beitrag stammen

Handlung, Termin, Besetzung und Produktionsangaben stehen so im Seriendossier von Disney+ und beim Produktionshaus. Die Urteile weiter unten sind nicht unsere eigenen: Sie stammen aus zwei namentlich gezeichneten Kritiken, die nach Sichtung aller acht Folgen entstanden sind.

City of Blood Serie: Das Berlin, in dem Blut die Währung ist

Schauplatz ist ein Berlin der nahen Zukunft, das als eigener Stadtstaat für sich steht und vom Klimawandel zerlegt wurde. Wer Geld und Beziehungen hat, lebt unter einer vollklimatisierten Kuppel, alle anderen halten sich draußen in Hitze und Kriminalität über Wasser. Diese Trennlinie ist der eigentliche Motor der Erzählung, nicht die Vampire. Wie andere Produktionen dieselbe Grundfigur — drinnen geschützt, draußen abgehängt — auflösen, haben wir in der Übersicht zu Endzeit-Serien nach Fallout sortiert.

Die Schwestern Bea und Phoebe wurden als Kinder durch einen Schicksalsschlag getrennt. Bea wächst chronisch krank und behütet bei ihrer Adoptivmutter auf, Phoebe schlägt sich auf Berlins Straßen durch. Kurz vor einer entscheidenden Wahl prallen beide Welten wieder aufeinander, und die Schwestern stoßen auf dieselbe Entdeckung: Vampire kontrollieren das organisierte Verbrechen und greifen nach politischer Macht. Blut ist in dieser Stadt zur Währung geworden. Disney+ weist die Serie mit einer Altersfreigabe von 16 aus.

Berlinoir: Was aus der Comicvorlage übrig bleibt

Die Vorlage ist zwei Jahrzehnte älter als der Streaming-Jahrgang, in dem sie jetzt landet. Reinhard Kleist und Tobias O. Meißner veröffentlichten Berlinoir in drei Bänden: Scherbenmund (2003), Mord! (2004) und Narbenstadt (2008). Dort liegt Berlin in einem Paralleluniversum, in dem die Geschichte anders verlaufen ist und Vampire die Stadt regieren. Klimakollaps und Kuppel sind Zutaten der Serie, nicht des Comics — die Drehbücher holen den Stoff aus der Parallelwelt heraus und verlegen ihn in eine Zukunft.

Zum Serienstart hat Carlsen eine überarbeitete Neuausgabe von Berlinoir* herausgebracht, 176 Seiten, mit bisher unveröffentlichtem Zusatzmaterial. Wie weit eine Adaption sich von ihrer Vorlage entfernen darf, ohne sie zu verlieren, ist dabei kein neues Thema: Bei Videospielverfilmungen lässt sich dieselbe Frage gerade im Halbjahrestakt beobachten.

Politthriller mit Eckzähnen statt Gruselstück

Esther Stroh hat für Moviepilot alle acht Folgen vorab gesehen und ordnet das Ergebnis als politischen Thriller ein, in dem Vampire die Strippen ziehen — als dystopische Kreuzung aus „4 Blocks" und „House of Cards", nicht als romantische Vampirgeschichte. Lea Drinda trage ihre Rolle überzeugend, Lars Eidinger sei der unberechenbare Querschläger und über weite Strecken der Alleinunterhalter.

Ihre Einwände zielen auf den Tonfall: klassisch deutsch, irgendwo zwischen bierernst und niedergeschlagen, was dramatische Szenen eher schwer als spannend wirken lasse. Dazu kommen ein langsames Erzähltempo und Enthüllungen, die in den späteren Folgen vorhersehbar werden. Abweisend fällt ihr Fazit trotzdem nicht aus: Als Genre-Experiment lohne sich die Serie durchaus, an der Notwendigkeit einer zweiten Staffel zweifelt sie.

Beim Aussehen gehen die Urteile auseinander

Genau dort widersprechen sich die beiden Besprechungen. Eric Leimann hebt in der Abendzeitung den Production Value hervor, nennt die Produktion sehr aufwendig und den dystopischen Hitze- und Blutdurst-Look ihr stärkstes Mittel; ziemlich kurzweilig sei das Ergebnis, ein Meisterwerk sicher nicht. Stroh vermisst genau diese Stärke: Für eine Serie nach einer Graphic Novel blieben die starken Bilder zu selten.

Bei den Figuren treffen sich beide wieder. Leimann nennt Charaktere und Dialoge etwas zu grob gemeißelt und vieles davon aus anderen Stoffen bekannt, Stroh hält die Motivationen für unklar. Eine verlässliche Zusage auf Bildgewalt bekommt also niemand — anders als bei Blade Runner 2099, das Prime Video im November ebenfalls mit allen acht Folgen auf einmal ins Programm nimmt.

Was bleibt, wenn die Vampire nicht überraschen?

Aus beiden Kritiken folgt dieselbe Konsequenz: Die Serie trägt über Politik, Milieu und Besetzung, nicht über Schrecken. Vampirhorror bekommt hier niemand, auch der Trailer vermeidet das Wort konsequent. Für Zuschauer, die deutsche Ernstserien mögen und einen zähen Mittelteil aushalten, spricht das eher dafür als dagegen.

Praktisch wichtiger ist die Rechnung für den Abend. Acht Folgen auf einen Schlag klingen nach Durchziehen, aber ein träges Tempo und absehbare Enthüllungen im letzten Drittel vertragen sich schlecht mit einem Marathon. Zwei bis drei Sitzungen sind die realistischere Planung, zumal der Anfang laut Stroh der stärkste Teil ist. Gruppen, die sich abends ohnehin nur eine Folge gönnen, verlieren durch den Komplettstart nichts: Wochenpausen gibt es hier nicht, der Zeitplan gehört allein euch.

Belastbare Zahlen zum Zuspruch nennt Disney+ nicht, und über eine Fortsetzung ist nichts bekannt. Wer die acht Folgen schon hinter sich hat, kann in den Kommentaren gegenhalten — vor allem bei der Frage, ob der Mittelteil tatsächlich so hängt, wie es die Kritiken beschreiben.

Quellen