Gaming in Deutschland hat einen Meilenstein erreicht: Laut aktueller Erhebung des Branchenverbands game spielen inzwischen 41,2 Millionen Menschen hierzulande — das entspricht etwa jedem zweiten Einwohner. Wer dabei noch an einen Teenager im abgedunkelten Kinderzimmer denkt, hat die Realität schlicht verpasst.
Gaming in Deutschland: Die Zahlen hinter dem Rekord
Der Verband der deutschen Games-Branche hat seine Erhebungsmethode für 2025 angepasst: YouGov rechnet die Umfragen jetzt auf alle in Deutschland lebenden Personen hoch — nicht mehr nur auf Bürger mit deutscher Staatsangehörigkeit. Das ergibt ein vollständigeres Bild der tatsächlichen Spielerschaft und erklärt den Sprung gegenüber den zuletzt gemeldeten 37,5 Millionen. Die eigentliche Botschaft bleibt dieselbe: Gaming ist Mainstream, quer durch alle Bevölkerungsgruppen.
| Plattform | Spielende in DE (2024) |
|---|---|
| Smartphone | ~22,9 Mio. |
| Konsole | ~20,5 Mio. |
| PC | ~13,1 Mio. |
| Tablet | ~10,3 Mio. |
Das Smartphone bleibt die meistgenutzte Spieleplattform — ein Status, den es seit Jahren verteidigt. Die Konsole legt dagegen stark zu und nähert sich dem Spitzenplatz: Seit 2019 wuchs die Zahl der Konsolen-Spielenden um 29 Prozent. Der PC hingegen verliert kontinuierlich Nutzer; im Vergleich zu 2019 mit damals 16,3 Millionen Spielenden ist das ein Rückgang von rund 20 Prozent.
Wer zockt hier eigentlich?
Das Klischee vom jugendlichen Gamer ist längst Vergangenheit. Das Durchschnittsalter der deutschen Spielerschaft ist 2024 erstmals auf 39,5 Jahre gestiegen — und der Trend zeigt weiter nach oben. Besonders bemerkenswert: Wer einmal mit Spielen anfängt, bleibt dabei. Viele Menschen, die in den 80ern und 90ern mit dem Zocken begonnen haben, sind dem Medium bis heute treu.
Die stärkste Wachstumsgruppe ist dabei die der Über-60-Jährigen: Binnen eines Jahres wuchs ihre Zahl von 6,4 auf 7,7 Millionen. Inzwischen stellen sie rund 20 Prozent aller Spielenden in Deutschland. Gleichzeitig ist die Geschlechterverteilung so ausgeglichen wie nie — der Frauenanteil liegt bei rund 46 bis 48 Prozent, je nach Berechnungsgrundlage.
Umsatz: Delle ja, Absturz nein
Trotz Rekord-Spielerzahlen gab es 2024 wirtschaftlich Gegenwind. Der Gesamtumsatz des deutschen Games-Markts sank um 6 Prozent auf 9,4 Milliarden Euro. Besonders der klassische Spielekauf traf es hart: Minus 17 Prozent auf 921 Millionen Euro. Das klingt dramatisch, relativiert sich aber: Seit 2019 ist der Gesamtumsatz trotzdem um über 50 Prozent gewachsen. Deutschland bleibt der größte Games-Markt in Europa und liegt weltweit auf Platz fünf.
Den einzigen echten Lichtblick bildeten 2024 die Online-Gaming-Services — also Abonnements wie PlayStation Plus oder Xbox Game Pass sowie In-Game-Käufe. Dieses Segment wuchs um 12 Prozent auf 965 Millionen Euro. Spieler investieren also weiterhin in ihr Hobby, nur anders als früher: weniger Einzelkauf, mehr laufende Services.
2025: Der Markt dreht wieder
Die Delle scheint überwunden. Im ersten Halbjahr 2025 wuchs der deutsche Games-Markt um 4 Prozent auf 4,6 Milliarden Euro — ein klares Signal, dass die Branche wieder Fahrt aufnimmt. Den stärksten Schub lieferte dabei die Nintendo Switch 2, die im Juni 2025 erschien und allein im Hardware-Segment ein Plus von 17 Prozent auf über 1,2 Milliarden Euro auslöste. Weltweit gingen im ersten Monat rund 5,8 Millionen Geräte über die Ladentheke.
Auch die politischen Rahmenbedingungen verbessern sich: Im Bundeshaushalt 2025 stehen 88 Millionen Euro für die Games-Förderung bereit, ab 2026 soll der Betrag auf 125 Millionen Euro jährlich steigen. Die maximale Förderung pro Projekt klettert dabei von zwei auf acht Millionen Euro. Klingt nach viel — ist im internationalen Vergleich aber immer noch ein Aufholen, denn deutsche Studios haben laut Branchenverband strukturelle Kostennachteile von rund 30 Prozent gegenüber anderen Top-Standorten weltweit.
Handhelds und Mobile: Zwei Trends, eine Richtung
Neben der Switch 2 sorgt ein breiterer Trend für Bewegung: Gaming-Handhelds ziehen immer mehr Deutsche in ihren Bann. Rund 29 Prozent der Deutschen ab 16 Jahren — das entspricht etwa 20 Millionen Menschen — interessieren sich für solche Geräte. Als Hauptgründe nennen sie Flexibilität (43 Prozent) und die kompakte Bauweise (41 Prozent). Zocken wann und wo man will, ohne auf Smartphone-Grafik angewiesen zu sein: Das trifft offenbar einen Nerv.
Mobile Games insgesamt haben 2024 erstmals die Marke von 3 Milliarden Euro Umsatz geknackt, getrieben durch Free-to-Play-Modelle und eine immer stärkere technische Basis auf Smartphones. Seit 2019 ist der Mobile-Games-Markt um 63 Prozent gewachsen. Für klassische PC- und Konsolen-Spieler bleibt das ein zweischneidiges Schwert: Mehr Reichweite fürs Medium auf der einen, mehr Mechaniken aus dem Mobile-Bereich, die in Vollpreistitel wandern, auf der anderen.
Meistverkaufte Spiele 2024 in Deutschland
Die Top 5 der meistverkauften Neuentwicklungen 2024 auf PC und Konsole:
- EA SPORTS FC 25 (Electronic Arts)
- Call of Duty: Black Ops 6 (Activision Blizzard)
- Helldivers 2 (Sony Interactive Entertainment)
- Landwirtschafts-Simulator 25 (GIANTS Software)
- Super Mario Party Jamboree (Nintendo)
Fußball führt — erwartbar. Weniger erwartbar: Der kooperative Third-Person-Shooter Helldivers 2 auf Platz drei und ein Landwirtschaftssimulator direkt dahinter. Deutsche Spieler haben offenbar einen ungebrochenen Faible für das entspannte Treckerfahren.
Was überrascht euch an diesen Zahlen am meisten — der Anteil älterer Spieler, die mobile Dominanz oder doch der Landwirtschafts-Simulator auf Platz vier? Schreibt's in die Kommentare oder diskutiert direkt auf unserem Discord mit der Crew!
