Gears of War: E-Day steht kurz vor seiner großen Enthüllung – und kein Geringerer als Serienerfinder Cliff Bleszinski nutzt genau diesen Moment, um öffentlich zu machen, wie seine eigene Vision für die Zukunft der Reihe ausgesehen hätte. Was er sich vorstellte, klingt deutlich düsterer und wilder als das, was Fans nach seinem Abgang zu sehen bekamen.
Was nach Gears 3 hätte kommen sollen
Bleszinski verließ Epic Games im Jahr 2012 – kurz nach dem Abschluss der ursprünglichen Trilogie mit Gears of War 3. Danach übernahm das Xbox-Studio The Coalition die Marke und schlug mit Gears of War 4 einen neuen Kurs ein. Einer der meistdiskutierten Kritikpunkte an dieser neuen Richtung: die sogenannten DeeBees – Roboter-Gegner, die klassische Feinde wie die Locust ersetzten. Für viele Fans fühlte sich das wie ein Fremdkörper im Universum an.
Bleszinski selbst machte auf Social Media deutlich, dass diese Entscheidungen nicht seiner Handschrift entsprechen. Die Roboter, die Open-World-Elemente in Gears 5 – das alles entstand nach seinem Abgang und ohne seinen Einfluss. Was er stattdessen geplant hatte, liest sich wie ein deutlich härterer und konsequenterer Nachfolger.
Bleszinski und die düstere Gears-of-War-Vision
Statt seelenloser Maschinen wollte Bleszinski menschliche Gegner einführen – konkret wilde Kannibalen-Clans, die stilistisch an Mad Max und die Serie Firefly angelehnt gewesen wären. Diese Fraktionen hätten die lore-eigenen Pendelkriege als Hintergrundfolie genutzt und die Welt von Sera in ein brutales, postapokalyptisches Setting getaucht.
Noch interessanter: Bleszinski plante eine Droge, die aus dem sogenannten Lambent-Staub gewonnen wird. Wer sie konsumiert, wird vorübergehend zu einem nahezu unaufhaltsamen, hochaggressiven Kämpfer – ein Konzept, das gleichzeitig Worldbuilding und Gameplay-Implikationen gehabt hätte. Das klingt nach einem Element, das die Reihe in ganz neue, dunklere Gefilde geführt hätte.
JD Fenix als gebrochener Held
Auch die Figur JD Fenix – Sohn von Protagonist Marcus Fenix, der in Gears 4 und Gears 5 tatsächlich eine tragende Rolle spielte – wäre in Bleszinskis Version eine völlig andere gewesen. Statt des selbstsicheren Soldaten hätte JD unter dem Schatten seines übermächtigen Vaters gelitten und eine handfeste Drogensucht entwickelt. Die Geschichte wäre damit zu einem metaphorischen Kampf gegen innere Dämonen geworden – ein Ansatz, der der Reihe emotionale Tiefe gegeben hätte, die über reine Action hinausgeht.
Die Locust in ihrer finalen Form
Der vielleicht spektakulärste Part von Bleszinskis ungenutzten Plänen betrifft die Locust selbst. Sie wären nicht einfach verschwunden, sondern hätten – stark verändert und mit Flügeln versehen – in einer Art Endform aus dem Winterschlaf erwachen sollen. Eine monströsere, bedrohlichere Version der ikonischen Feinde, die die Reihe von Anfang an definiert haben. Bleszinski selbst gab an, diesem Konzept noch immer nachzutrauern – trotz seiner grundsätzlichen Freude über die Ankündigung von Gears of War: E-Day.
E-Day: Rückkehr zu den Wurzeln
Angesichts all dieser ungenutzten Ideen überrascht es kaum, dass Bleszinski dem aktuellen Kurs von The Coalition wohlwollend gegenübersteht. In einem Interview äußerte er sich positiv über die Richtung, die das Studio mit dem Prequel einschlägt – weg von Robotern, hin zu einer Rückkehr der Locust als echte Bedrohung.
„You're not going to be fighting those stupid robots. It's going to be about making the Locust scary again." — Cliff Bleszinski
Das trifft einen Nerv. Denn genau das war es, was viele Fans an den Nachfolgern vermissten: die dichte, beklemmende Atmosphäre des Originals, in der jede Begegnung mit den Locust tödlichen Ernst ausstrahlte.
Gears of War: E-Day ist ein Prequel und spielt 14 Jahre vor den Ereignissen des ersten Teils. Es zeigt, wie Marcus Fenix und Dom Santiago den sogenannten Emergence Day – den Tag, an dem die Locust Horde erstmals aus dem Untergrund auftauchte – aus nächster Nähe erleben. Das Spiel wird von The Coalition gemeinsam mit People Can Fly entwickelt und soll 2026 für Xbox Series X|S und PC erscheinen. Ein dediziertes Gears of War: E-Day-Direct ist für den 7. Juni 2026 im Anschluss an den Xbox Games Showcase geplant, bei dem Microsoft rund 30 Minuten neues Gameplay und Details verspricht.
Zwei Visionen, eine Marke
Was diese Geschichte so faszinierend macht: Bleszinski und The Coalition verfolgen letztlich dasselbe Ziel – eine Gears-of-War-Erfahrung, die sich wie das Original anfühlt. Nur der Weg dorthin war unterschiedlich. Während The Coalition mit E-Day chronologisch zurückgeht und den Ursprung neu erzählt, hätte Bleszinski die Welt nach Gears 3 mit radikalen, riskanten Ideen weiterentwickelt.
Beide Ansätze haben ihren Reiz. Kannibalen-Clans, eine drogenabhängige Hauptfigur und geflügelte Locust klingen nach einem Gears, das die Fanbase gespalten hätte – aber vielleicht auch neu definiert. Stattdessen bekommen wir jetzt einen Neustart an der Quelle. Ob das die richtige Entscheidung war, wird sich zeigen, wenn im Juni endlich echtes Gameplay auf dem Tisch liegt.
Welche Version hättet ihr lieber gesehen – Bleszinskis düsteres Weiter oder das Prequel von The Coalition? Schreibt's in die Kommentare oder diskutiert direkt mit uns im AKMG-Discord!
