Zwanzig Minuten sollen reichen, um sinnvoll voranzukommen. Mit diesem Anspruch hat ArenaNet auf der gamescom 2026 hinter verschlossenen Türen erstmals Gameplay von Guild Wars 3 gezeigt. Angekündigt wurde das Spiel am 5. Juni 2026 zum Summer Game Fest, für PC und PlayStation 5; eine Beta stellt das Studio für den Herbst 2027 in Aussicht. Dieser Beitrag sammelt, was ArenaNet bislang selbst bestätigt hat, und wird fortgeschrieben, sobald es Neues gibt.

Stand: 5. September 2026

Grundlage sind ArenaNets Ankündigung vom 5. Juni und die Presserunde mit Studiochef Colin Johanson auf der gamescom. Erscheinungstermin, Preis und Bezahlmodell hat das Studio noch nicht genannt.

Guild Wars 3: Orr, die Vaelwächter und erstmals eine Konsole

Schauplatz ist Orr, das Land, das Spieler von Guild Wars 2 als versunkenes, verfluchtes Reich kennen. Guild Wars 3 spielt zeitlich davor und zeigt Orr als lebendiges Grenzland. Spieler treten den Vaelwächtern bei, einer Gilde, die das Land, die Menschen außerhalb der Stadtmauern und die dort lebenden Naturgeister schützt. Die Steam-Seite beschreibt das Ganze als Action-Adventure-MMORPG, das allein oder in Gruppen gespielt werden kann.

Neu für die Reihe ist die Plattformfrage. Zum ersten Mal erscheint ein Guild Wars nicht nur auf dem PC, sondern auch auf der PlayStation 5, und ArenaNet betont, das Kampfsystem sei von Anfang an für Controller und für Maus und Tastatur gleichermaßen gebaut. Wer auf der gamescom nach den Koop-Titeln des Jahres gesucht hat, findet in der Übersicht der gamescom-Koop-Highlights den Rahmen, in dem diese Vorführung stattfand.

Kämpfen in Bewegung statt Tab-Targeting

Die beiden Merkmale, die ArenaNet in Köln zeigte, sind das Bewegungs- und das Kampfsystem. Figuren rennen, gleiten, klettern und laufen an Wänden entlang, und das aufgebaute Momentum bleibt beim Wechsel zwischen diesen Bewegungsarten erhalten. Der Kampf ist actionorientiert und läuft ohne klassisches Tab-Targeting ab. Johanson führt die Idee auf Gespräche zurück, die er 2015 während der Arbeit an der Erweiterung Heart of Thorns führte; die technische Hürde, so etwas in einer synchronisierten Mehrspielerwelt umzusetzen, habe das Studio erst jetzt genommen.

What makes movement awesome is not the individual movement abilities, it's actually the transitions between them. — Colin Johanson, ArenaNet, Presserunde gamescom 2026 (Wccftech, September 2026)

Den Vergleich mit einem „Multiplayer Breath of the Wild", den Beobachter gezogen haben, nimmt das Studio an, nennt ihn aber nicht als Ziel. Die gezeigte Fassung war eine Pre-Alpha; die Fertigkeitenleiste auf dem Bildschirm sei ein Platzhalter, wie viele aktive Fähigkeiten es am Ende gibt, steht noch nicht fest.

Rund 20 Spieler pro Boss — die Mitte zwischen den Vorgängern

Beim Maßstab ordnet ArenaNet das Spiel ausdrücklich zwischen seine Vorgänger ein. Guild Wars 1 war ein instanziertes Spiel für acht Personen, Guild Wars 2 warf Hunderte Spieler auf offene Weltbosse. Guild Wars 3 liegt dazwischen und näher am ersten Teil: Etwa 20 Spieler gelten als Obergrenze für eine große Begegnung, weil der neue Kampf darüber hinaus nicht mehr trage. Die riesigen Kartenereignisse bleiben Guild Wars 2 vorbehalten, das ArenaNet nach eigener Aussage parallel weiterentwickelt.

Zwei weitere Punkte sind bestätigt. Es wird wieder klarer definierte Rollen geben, also Tank, Heiler und Schadensausteiler, wobei ein Beruf mehrere Rollen ausfüllen kann. Und Guild Wars 3 ist kein Sandbox-Spiel mit spielergebauter Wirtschaft. Zu dynamischen Ereignissen in der offenen Welt kündigte Johanson eigene Neuerungen an, ohne Details zu nennen; Reittiere waren in Köln kein Thema.

Punkt Stand
Plattformen: PC und PlayStation 5 ✅ bestätigt
Beta im Herbst 2027 ✅ angekündigt
Action-Kampf und Momentum-Bewegung ✅ gezeigt, Pre-Alpha
Definierte Rollen (Tank, Heiler, Schaden) ✅ bestätigt
Dynamische Ereignisse 🔄 angekündigt, Details offen
Reittiere, Wirtschaft, Fähigkeitenzahl 🔄 noch nicht Thema
Release, Preis, Bezahlmodell ❌ unbekannt

Wie soll ein MMO kein zweiter Job werden?

Die Frage, die Johanson selbst als die wichtigste bezeichnet, betrifft die Zeit. Nach seiner Beschreibung vergeht in einem klassischen MMO oft eine Stunde mit Inventar, Fertigkeitenleiste, Questliste und Gruppensuche, bevor überhaupt gespielt wird. Guild Wars 3 soll beides tragen: den langen Freitagabend und die Sitzung von zwanzig Minuten, in der trotzdem messbar etwas vorangeht. Dazu gehört ausdrücklich, dass jemand zwei Monate aussetzen und andere Spiele spielen kann, ohne beim Wiedereinstieg abgehängt zu sein. Auf der Konsole sei das noch wichtiger als am PC. Wie das Studio diese Ziele umsetzen will, hat es noch nicht gezeigt.

Ein Jahr bis zur Beta kostet den Wartenden nichts

Für Gruppen mit unregelmäßigen Spielzeiten liest sich die Liste der Zusagen wie eine Aufzählung dessen, woran MMOs für sie bisher gescheitert sind: die Vorbereitungsstunde, der Zwang zur Dauerpräsenz, das Abgehängtsein nach einer Pause. Dass ein Studio diese Punkte als Kernproblem benennt, ist bemerkenswert. Es bleibt aber bis auf Weiteres eine Absichtserklärung, denn gezeigt wurden Bewegung und Kampf, nicht die Systeme, die eine Zwanzig-Minuten-Sitzung sinnvoll machen sollen.

Zeitlich gibt es keinen Grund zur Eile. Eine Beta im Herbst 2027 bedeutet nach den üblichen Abläufen einen Release frühestens 2028, und die gezeigte Fassung war eine Pre-Alpha. Wer sich den Betazugang sichern will, kann sich für den Newsletter auf guildwars3.com eintragen und das Spiel auf Steam oder im PlayStation Store auf die Wunschliste setzen; mehr ist derzeit nicht zu tun. Bis dahin bleibt Guild Wars 2 spielbar und wird laut ArenaNet weiter mit Inhalten versorgt. Für alle, denen Fantasy-Tyria zu weit von ihrem üblichen Genre entfernt ist, gibt es mit den Weltraum-MMOs des Jahres eine Alternative mit ähnlich offenem Sitzungsformat.

Die Begrenzung auf rund 20 Spieler ist dabei der Punkt, der die Zielgruppe am ehesten trennt. Für feste Gruppen von vier bis acht Leuten ist ein Boss, der mit zwanzig Teilnehmern voll ist, überschaubarer als eine Karte mit Hunderten. Fans der großen Weltereignisse aus Guild Wars 2 verlieren dagegen genau das, was sie an der Reihe schätzen, und ArenaNet sagt ihnen offen, dass dieser Teil im zweiten Teil bleibt.

Was fehlt, ist der Blick auf Wirtschaft, Bezahlmodell und Endgame. Diese drei entscheiden am Ende darüber, ob das Versprechen vom MMO ohne Zweitjob hält, und zu keinem davon gibt es bisher ein Wort. Wer Guild Wars 1 oder 2 gespielt hat und eine Meinung dazu hat, was ein dritter Teil richtig machen muss, findet in den Kommentaren Platz dafür.

Quellen