Die Rockstar Games Workers Union ist offiziell gegründet — und ihr Entstehen ist untrennbar mit einer der kontroversesten Entlassungswellen verknüpft, die die Spielebranche in jüngster Zeit erlebt hat. Ende Oktober 2025 verloren mehr als 30 Entwicklerinnen und Entwickler bei Rockstar North ihren Job, und die Umstände werfen bis heute Fragen auf.

Was bei Rockstar North im Oktober 2025 passierte

Knapp vor Halloween 2025 entließ das britische Studio Rockstar North über 30 Angestellte — betroffen waren Mitarbeitende in Großbritannien und Kanada. Als offizielle Begründung nannte das Unternehmen grobes Fehlverhalten: Die betroffenen Personen sollen in einem öffentlichen Forum vertrauliche Informationen zu laufenden und noch nicht angekündigten Projekten geteilt haben, darunter konkrete Features kommender Titel.

Pikant dabei: Das besagte Forum war laut Gewerkschaftsseite ein Discord-Server, der von der Independent Workers' Union of Great Britain (IWGB) verwaltet wurde und der internen Organisation einer Gewerkschaft dienen sollte. Für viele Beobachter war die Überschneidung kein Zufall — nahezu alle Entlassenen sollen in irgendeiner Form mit dieser Gewerkschaftsinitiative verbunden gewesen sein.

Rockstar Games Workers Union: Die Antwort der Belegschaft

Statt die Gewerkschaftsbewegung zu stoppen, hat die Entlassungswelle offenbar das Gegenteil bewirkt. Die neu gegründete Rockstar Games Workers Union (RGWU) schloss sich formell unter dem Dach der IWGB zusammen — mit Mitgliedern aus mehreren Standorten, darunter Leeds, Edinburgh und London. Die Mitgliederzahl stieg nach den Entlassungen weiter an und überschritt erneut den gesetzlichen Schwellenwert von zehn Prozent, der für eine formale Anerkennung relevant ist.

Zwei Lager, eine Frage

StandpunktPosition
Rockstar / Take-TwoEntlassungen wegen Weitergabe vertraulicher Projektinformationen — kein Zusammenhang zur Gewerkschaft
IWGB / RGWUGezieltes Vorgehen gegen Gewerkschaftsaktivisten — einer der deutlichsten Fälle von "Union Busting" in der Branchengeschichte

Rockstar selbst bezeichnete entsprechende Vorwürfe als völlig falsch und irreführend. Die IWGB hingegen erklärte öffentlich, Rockstars Begründungen enthielten mehrere sich widersprechende Aussagen — ein Hinweis darauf, dass nachträglich nach einer Rechtfertigung gesucht werde.

Proteste, Politik und Parlament

Der Konflikt blieb nicht auf die Büroflure beschränkt. Rund 220 Rockstar-Mitarbeitende unterzeichneten einen offenen Brief, in dem sie die Entlassungen verurteilten. Im November 2025 fanden Protestaktionen vor Studios in London, Edinburgh und Paris statt.

Besonders aufsehenerregend: Das Thema landete im britischen Parlament. Der schottische Abgeordnete Chris Murray brachte den Fall direkt vor Premierminister Keir Starmer, der die Vorgänge als "zutiefst besorgniserregende Entwicklung" bezeichnete und den Betroffenen politische Unterstützung zusicherte. Mehrere schottische Labour-Abgeordnete kritisierten zudem, dass Rockstar jede konstruktive Kooperation mit Gewerkschaftsvertretern und Parlamentsmitgliedern verweigere.


Rechtlicher Ausblick — und GTA 6 im Hintergrund

Die IWGB vertritt die entlassenen Mitarbeitenden juristisch. Eine erste Anhörung vor einem britischen Arbeitsgericht fand bereits Anfang 2026 statt. Die Gewerkschaft beantragte unter anderem sogenannte "Interim Relief" — ein Instrument, das eine vorläufige Wiedereinstellung oder zumindest Lohnfortzahlung erzwingen könnte, noch bevor ein endgültiges Urteil gefällt wird.

Das alles ereignet sich ausgerechnet im Schatten von GTA 6, dessen Release für den Herbst 2026 angepeilt wird. Der Arbeitskampf trifft Rockstar zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt — gerade wenn das meisterwartete Spiel seit Jahren fertiggestellt werden soll.

Ob das Gericht den Entlassenen Recht gibt, ob die RGWU dauerhaft anerkannt wird und welche Signalwirkung das für andere Studios hat — das alles bleibt offen. Schreibt uns eure Meinung dazu gerne in die Kommentare oder diskutiert das Thema mit uns auf dem AKMG-Discord!