Die EU-Kommission hat dem chinesischen Online-Marktplatz Temu Strafe in Form einer Geldbuße von 200 Millionen Euro aufgebrummt — und das Urteil ist eindeutig. Brüssel wirft dem Konzern vor, seine Pflicht zur Risikobewertung nach dem Digital Services Act (DSA) grob verletzt zu haben.

Was steckt hinter der Temu-Strafe?

Der DSA verpflichtet sehr große Online-Plattformen dazu, systematisch zu prüfen, welche Gefahren von ihren Diensten ausgehen. Temu hat genau das nach Einschätzung der EU-Behörde nicht sauber gemacht. Die Risikobewertung des Unternehmens stützte sich laut Kommission auf allgemeine Branchendaten zum gesamten E-Commerce-Sektor, statt eigene, plattformspezifische Belege heranzuziehen.

Besonders brisant: Unabhängige Testkäufe förderten konkrete Mängel zutage. Ein sehr hoher Anteil der getesteten Ladegeräte fiel bei grundlegenden Elektrosicherheitsprüfungen durch. Bei Babyspielzeug wurden Chemikaliengrenzwerte überschritten oder es bestand Erstickungsgefahr durch abnehmbare Kleinteile. Diese Befunde flossen direkt in die Entscheidung der Kommission ein.

Influencer-Programme und Algorithmen als Risikofaktor

Ein bislang wenig beachteter Aspekt des Falls: Die EU-Kommission bemängelt ausdrücklich, dass Temu nicht bewertet hat, wie das eigene Influencer-Affiliate-Programm und die Empfehlungsalgorithmen das Risiko für unsichere Produkte verstärken könnten. Das ist das erste Mal, dass die Kommission Influencer-Marketing explizit als Risikofaktor im Sinne des DSA eingestuft hat — ein Signal an die gesamte Branche.

AspektDetails
Verhängte Strafe200 Mio. Euro
RechtsgrundlageDigital Services Act (DSA)
Temu-Jahresumsatz 2025ca. 53 Mrd. Euro
Max. mögliche Strafe6 % des Jahresumsatzes
Frist Aktionsplan28. August 2026

Wie reagiert Temu?

Das Unternehmen bezeichnete die Entscheidung in einer Stellungnahme als unverhältnismäßig und wies darauf hin, dass sich die beanstandete Risikobewertung auf den Stand von 2024 beziehe und den aktuellen Systemstand nicht widerspiegele. Temu kündigte an, weiterhin konstruktiv mit der Kommission zusammenzuarbeiten — das eigentliche Einlenken steht aber noch aus.

Historische Einordnung: Erst die zweite DSA-Strafe

Das alles passiert in einem wichtigen Kontext. Der DSA ist seit Februar 2024 vollständig in Kraft und stellt das schärfste EU-Werkzeug gegen gefährliche Praktiken großer Techplattformen dar. Die Temu-Strafe ist erst die zweite Sanktion überhaupt nach diesem Gesetz — zuvor traf es im Dezember 2025 Elon Musks Plattform X, die wegen Transparenzmängeln 120 Millionen Euro zahlen musste.

Und es bleibt nicht bei Temu. Auch die chinesischen Mitbewerber Aliexpress und Shein stehen im Fokus laufender Ermittlungen. Parallel dazu untersucht die Behörde, ob Temu Forschern den Datenzugang unzulässig einschränkt — offene Flanken also auf mehreren Fronten.

Zu wenig abschreckend?

200 Millionen Euro klingen nach einer saftigen Summe. Gemessen am Temu-Jahresumsatz von rund 53 Milliarden Euro entspricht die Buße aber nur einem kleinen Bruchteil des rechtlich möglichen Maximums von sechs Prozent des weltweiten Umsatzes. Kritiker halten der EU-Kommission genau das vor: Die Behörde schöpfe ihre Sanktionsmittel bei weitem nicht aus, was den Abschreckungseffekt erheblich mindert.


Findet ihr 200 Millionen angesichts der Umsatzzahlen ausreichend — oder hätte Brüssel hier deutlich härtere Geschütze auffahren müssen? Schreibt eure Meinung in die Kommentare oder direkt auf unserem Discord!