Die Frage „HDMI oder DisplayPort Gaming" klingt nach Geschmackssache und ist doch eine Rechenaufgabe. Philips hat am 22. Oktober in Singapur den Evnia 36M4C5500P vorgestellt: 36 Zoll, 3440 × 1440 Pixel, 240 Hz, im Übertaktungsmodus 260 Hz. Über seine beiden HDMI-2.1-Eingänge gibt er allerdings höchstens 100 Hz aus. Für Europa nennt Philips weder Termin noch Preis, der Monitor ist hier also kein Kaufthema. Sein Anschlussplan taugt trotzdem als Lehrstück für jeden, der einen schnellen Bildschirm kauft.
Stand der Angaben
Die Angaben zum Monitor stammen aus Medienberichten vom 22. bis 26. Oktober 2026; ein Datenblatt von Philips oder einen Test gab es beim Schreiben nicht. Die Angaben zu HDMI, DisplayPort und Windows wurden am 2. November 2026 auf den Seiten von HDMI LA, VESA und Microsoft gelesen.
HDMI oder DisplayPort Gaming: Was am Philips-Monitor feststeht
Zwei HDMI-2.1-Eingänge und ein DisplayPort 1.4 nennen PRAD und Materiel-Gamer als Ausstattung. Auf dem DisplayPort läuft das Panel mit 240 Hz in voller Auflösung, über HDMI nach PRAD und PCGH nur mit 100 Hz. PCGH ergänzt, dass der 260-Hz-Modus zwangsläufig DisplayPort braucht, und zieht daraus eine Folgerung für Konsolen: Eine PlayStation 5 oder Xbox Series X|S könne ihre 120 Hz an diesem Monitor über HDMI nicht ausfahren.
Offen bleibt, was beide Meldungen nicht erklären. Weder Philips noch die Medien nennen einen Grund für die 100 Hz. Ob der DisplayPort die 240 Hz mit Bildkompression (DSC) erreicht, geht aus keiner der gelesenen Quellen hervor. Ein Testbericht liegt nicht vor, alles hier sind Herstellerangaben aus zweiter Hand.
28,5 Gbit/s Bilddaten — mehr, als DisplayPort 1.4 unkomprimiert trägt
Die Menge an Bilddaten lässt sich selbst nachrechnen: Breite mal Höhe mal Bildwiederholrate mal Bits pro Pixel, bei 8 Bit je Farbkanal sind das 24. Für 3440 × 1440 Pixel ergibt das, noch ohne die Pausen zwischen den Bildzeilen und Bildern (Blanking), diese Werte:
| Bildwiederholrate | 8 Bit je Farbkanal | 10 Bit je Farbkanal |
|---|---|---|
| 100 Hz | 11,9 Gbit/s | 14,9 Gbit/s |
| 144 Hz | 17,1 Gbit/s | 21,4 Gbit/s |
| 165 Hz | 19,6 Gbit/s | 24,5 Gbit/s |
| 240 Hz | 28,5 Gbit/s | 35,7 Gbit/s |
| 260 Hz | 30,9 Gbit/s | 38,6 Gbit/s |
Dem stehen die Nutzraten der Schnittstellen gegenüber. Für DisplayPort 1.4 (HBR3) nennt Materiel-Gamer rund 25,92 Gbit/s, nach der 8b/10b-Kodierung, die laut VESA 20 Prozent Overhead kostet. Bei HDMI 2.1 mit voller Bandbreite nennt HDMI LA 48 Gbit/s Leitungsrate, Materiel-Gamer rechnet daraus rund 42,7 Gbit/s Nutzdaten; bei DisplayPort 2.1 nennt VESA bis zu 77,37 Gbit/s. Das sind Normwerte, am Gerät nicht nachgemessen.
Daraus folgen zwei Dinge, und beide sind eigene Rechnung, keine Aussage von Philips. Erstens passt 240 Hz in 3440 × 1440 nicht unkomprimiert durch einen DisplayPort 1.4; der Anschluss muss entweder komprimieren oder an der Farbtiefe sparen. VESA beschreibt DSC als visuell verlustfrei und führt DisplayPort 1.4a als Beispiel für Modi an, die mit dieser Kompression arbeiten. Zweitens liegen die 100 Hz über HDMI mit knapp 12 Gbit/s weit unter dem, was ein voll ausgebauter HDMI-2.1-Port trägt. Die Grenze kommt also vermutlich nicht vom Standard, sondern von dem, was im Monitor verbaut ist. Ob die HDMI-Buchsen die volle Bandbreite beherrschen, lässt auch Materiel-Gamer ausdrücklich offen.
Dazu passt, was HDMI LA über das Verfahren schreibt: Die schnelle Übertragungsart FRL ist nötig, um unkomprimiert über 4K60 zu kommen, und Hersteller dürfen komprimierte und unkomprimierte Modi einzeln oder beide umsetzen. Die Aussage steht auf der Seite zur Spezifikation 2.2. Dass jede Buchse mit 2.1-Aufdruck die volle Bandbreite liefern muss, hat keine der gelesenen Quellen genannt; ob und wie weit Philips FRL einsetzt, ist damit nicht beantwortet.
Lies im Datenblatt die Hz je Eingang, nicht die Versionsnummer
Die Versionsnummer allein sagt nicht, was durchkommt. Im Datenblatt zählt die Zeile, die für jeden Eingang eine eigene Bildwiederholrate bei nativer Auflösung nennt. Fehlt sie, hilft der Test oder die Nachfrage beim Hersteller. Beim Kabel ist es einfacher: Ein HDMI-Kabel für 48 Gbit/s trägt laut HDMI LA das Etikett „Ultra High Speed HDMI Cable" auf der Packung und den Namen auf dem Kabelmantel; das Etikett lässt sich per QR-Code prüfen. Auf der DisplayPort-Seite führt VESA eine Datenbank zertifizierter Komponenten.
Am Rechner selbst zeigt Windows, was wirklich ankommt. Microsoft nennt für Windows 11 den Weg über Einstellungen, System, Anzeige, Erweiterte Anzeige (die deutsche Hilfeseite schreibt den Pfad etwas verstümmelt). Dort stehen aktuelle Auflösung und Aktualisierungsrate des gewählten Bildschirms. Beim Umstellen gilt Microsofts Hinweis zum Sternchen: Raten, die zur aktuellen Auflösung nicht passen, sind markiert, und wer sie wählt, ändert damit die Auflösung. Genau dieser Umschlag ist der erste Hinweis darauf, dass die Verbindung nicht beides gleichzeitig schafft. Weitere Spieleinstellungen unter Windows 11 sortiert der Beitrag zu den Gaming-Einstellungen.
Konsole, Laptop und Desktop-PC
Der Philips-Fall trifft zuerst Konsolen, denn PCGH nennt PlayStation 5 und Xbox Series X|S ausdrücklich als Leidtragende des HDMI-Limits. Ein Desktop-PC mit DisplayPort-Ausgang an der Grafikkarte hat dagegen die freie Wahl. Laptops hängen häufig am USB-C-Ausgang; Produkte mit „Video über USB-C" nutzen laut DisplayPort.org in der Regel den DisplayPort-Alternate-Mode, womit auch dort der DisplayPort-Pfad gilt. Beim Laptop-Kauf hilft der Beitrag Laptop kaufen 2026 bei der Grundentscheidung.
Praktisch heißt das: Wer Konsole und PC an denselben Monitor hängt, belegt zwei Eingänge mit zwei verschiedenen Leistungsstufen und sollte vorher wissen, welcher davon welche ist.
Ein HDMI-2.1-Aufdruck verrät nicht, welche Hz ankommen
Gewinn und Verlust liegen dicht beieinander. Wer HDMI 2.1 als Qualitätsstempel liest, kann an einem Monitor wie diesem bei 100 Hz landen, obwohl das Panel 240 schafft. Wer dagegen den DisplayPort wählt, kommt auf die volle Rate, bezahlt sie aber womöglich mit Kompression, die nach VESA zwar visuell verlustfrei sein soll, in den gelesenen Meldungen aber nirgends bestätigt wird. Welche der beiden Varianten bei diesem Modell gilt, kann erst ein Test zeigen. Für die Auswahl eines Monitors insgesamt bleibt der Beitrag Gaming Monitor kaufen die breitere Grundlage.
Bis ein Test oder ein europäisches Datenblatt vorliegt, bleiben zwei Fragen unbeantwortet: warum Philips HDMI auf 100 Hz begrenzt und ob der DisplayPort mit DSC arbeitet. Die Hz-Angabe pro Eingang ist die Zeile, nach der sich bei jedem schnellen Monitor zu suchen lohnt.
Quellen
- PRAD: Philips Evnia 36M4C5500P, Hersteller kündigt ersten 36-Zoll-Gaming-Monitor mit 260 Hz an
- PC Games Hardware: Philips zeigt 36-Zoll-Gaming-Monitor mit 260 Hz, über HDMI sind nur 100 Hz möglich
- Materiel-Gamer: Philips Evnia 36M4C5500P, DisplayPort 1.4 und DSC (Bandbreitenrechnung)
- HDMI LA: Ultra High Speed HDMI Cable (48 Gbit/s, Zertifizierung)
- HDMI LA: Bandwidths and Resolutions (FRL, Kompression)
- DisplayPort.org: FAQ (Kodierung, DSC, USB-C)
- VESA: About DisplayPort (Zertifizierung)
- Microsoft Support: Aktualisierungsrate auf dem Bildschirm in Windows ändern
