Die RAM Preise haben im August 2026 ein neues Rekordniveau erreicht, und die Frage, wann sie wieder sinken, lässt sich inzwischen ziemlich genau beantworten — nur fällt die Antwort anders aus, als viele hoffen. Arbeitsspeicher liegt derzeit rund 345 Prozent über dem Stand von vor der Krise. Wer auf das Jahr 2027 als Wendepunkt setzt, wartet nach den vorliegenden Prognosen ausgerechnet auf das teuerste Jahr.

Preisstand August 2026: Was 32 GiB DDR5 heute kosten

Die Zahlen aus dem deutschen Einzelhandel machen das Ausmaß greifbar. Ein Kit mit 32 GiB DDR5-6000 CL30 kostet Mitte August zwischen 475 und 540 Euro — etwa das Vierfache des Vorkrisenpreises. Bei den 64-GiB-Kits ist die Marke von 1.000 Euro gefallen.

Modell (32 GiB DDR5-6000 CL30) Sept. 2025 Aug. 2026 Aufschlag
Kingston Fury Beast 114 € 523 € +359 %
G.Skill Trident Z5 Neo RGB 122 € 539 € +342 %
Patriot Viper Venom 87 € 429 € +394 %

Bemerkenswert ist ein Detail, das beim Aufrüsten schnell teuer wird: Der übliche Mengenrabatt für die doppelte Kapazität ist verschwunden. Die 32-GiB-Kits liegen bei 16,35 bis 16,84 Euro je GiB, die 64-GiB-Kits bei 16,19 bis 18,58 Euro — teilweise zahlt man für das größere Kit also mehr pro Gigabyte, nicht weniger.

Info-Box: DDR4 ist der Notausgang

Wer noch auf AM4 oder LGA 1700 sitzt, muss nicht wechseln. Ein Kit mit 32 GiB DDR4-3200 CL16 gibt es ab rund 210 Euro — weniger als die Hälfte des DDR5-Preises. Solange das System läuft, ist Abwarten die günstigste Option.

Bernstein-Prognose bis 2028: 2027 wird das teuerste Jahr

Hier liegt der Kern der Sache. Die Analysten von Bernstein Research haben die durchschnittlichen Verkaufspreise von SK Hynix hochgerechnet, einem der drei marktbeherrschenden DRAM-Hersteller. Der Wert für 2025 stammt vom Hersteller selbst, die Folgejahre sind Schätzungen.

Jahr DRAM-Preis je Gbit Einordnung
2025 0,54 $ Vorkrisenniveau
2026 1,56 $ 🔄 laufendes Jahr
2027 2,23 $ ❌ Höhepunkt, nochmals +50 %
2028 1,05 $ ✅ zwischen 2025 und 2026

Der Preis steigt 2027 also noch einmal um fast die Hälfte, bevor er 2028 deutlich einbricht. Die Marktforscher von Gartner kamen im April 2026 unabhängig davon auf denselben Zeitpunkt und nannten 2028 als frühestes Jahr für sinkende Speicherpreise. Ein AMD-Vertreter äußerte auf der Computex, dass DDR5-Speicher in etwa zwei Jahren wieder Normalniveau erreichen dürfte — das führt ebenfalls auf Mitte 2028.

Kurzfristig zeigt der Trend weiter nach oben: TrendForce erwartet für das dritte Quartal 2026 bei konventionellem DRAM einen Anstieg der Kontraktpreise um 13 bis 18 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Neue Fertigungskapazitäten entstehen zwar, liefern nennenswerte Mengen aber frühestens Ende 2027.

Konsolen und Notebooks: Wo die Krise sonst noch ankommt

Der Speichermangel trifft längst nicht mehr nur Aufrüster. Apple hat die MacBook-Air-Preise im Juni um 200 Euro angehoben und nennt Lieferzeiten von zwei bis sechs Wochen, am längsten für die Varianten mit viel Arbeitsspeicher. Beim Mac Studio wurde die maximale Speicherbestückung in zwei Schritten von 512 auf 96 GiB gesenkt.

Auch bei den Konsolen schlägt es durch. Microsoft hat die Preise für Xbox Series X und S zum 1. August weltweit um bis zu 150 US-Dollar angehoben und das 2-TB-Modell gestrichen — eine Bewegung, die sich in die Preiserhöhungen bei Xbox der vergangenen Jahre einreiht. Nintendo verlangt für die Switch 2 seit dem 1. September 499,99 statt 469,99 Euro, nachdem der Hersteller sich zur Preiserhöhung bei der Switch 2 noch betont gelassen gezeigt hatte. Bei Grafikkarten wirkt dieselbe Ursache, weil GDDR-Speicher aus derselben knappen Kapazität stammt — auch abseits der etablierten Hersteller, wie der Start der chinesischen Gaming-GPU Lisuan 7G100 zeigt.

Was das in der Praxis bedeutet

Die wichtigste Konsequenz aus den Prognosen ist unbequem: Abwarten lohnt sich nur für den, der wirklich lange warten kann. Wer bis Mitte 2027 zögert, kauft nach heutigem Stand teurer als heute. Eine echte Entlastung ist erst 2028 zu erwarten, und selbst dann sollen die Preise laut TrendForce und Bernstein 30 bis 50 Prozent über dem Durchschnitt von 2024 bleiben. Das Vorkrisenniveau kommt nicht zurück.

Für den konkreten Fall heißt das: Wer jetzt einen Rechner neu baut oder ein defektes Modul ersetzen muss, sollte kaufen und nicht auf eine Trendwende spekulieren. Wer dagegen ein funktionierendes System hat, fährt mit Nichtstun am besten — ein Upgrade von 16 auf 32 GiB kostet derzeit mehr als mancher komplette Gaming-PC vor drei Jahren.

Beim Zusammenstellen verschiebt sich die Priorität. Weil der Mengenrabatt weggefallen ist, ist die Versuchung, „gleich auf 64 GiB zu gehen, wenn man schon dabei ist", zum teuren Fehler geworden. Für Spiele reichen 32 GiB weiterhin aus, und der Aufpreis für das größere Kit wandert besser in CPU oder Grafikkarte.

Ob die Prognosen halten, ist offen. Sie beruhen auf Annahmen über den KI-Ausbau, den Zeitplan neuer Fabriken und das Verhalten von drei Herstellern, die derzeit Rekordmargen erzielen. Fällt die Nachfrage aus den Rechenzentren früher als erwartet, könnte es schneller gehen — verlassen sollte man sich darauf nicht.

Wie geht ihr mit den Preisen um: aufgerüstet, bevor es noch teurer wird, oder das alte System weiterlaufen lassen, bis es nicht mehr geht? Schreibt eure Strategie in die Kommentare.

Quellen