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Im Oktober ist ausgerechnet der alte Speicher am stärksten gestiegen: Der 3DCenter-Preisindex weist für DDR4 ein Plus von 19 Prozent gegenüber September aus, mehr als bei jeder anderen Produktgruppe. Für alle, die noch einen AM4- oder LGA-1700-Rechner mit 16 GB betreiben, hat die alte Faustregel „DDR4 aufrüsten lohnt sich noch" damit ein Ablaufdatum bekommen, und die Frage lautet, ob man es vorher noch nutzt oder gleich das Mainboard mitkauft. Preise und Händler bleiben hier draußen; was zählt, sind die Verhältnisse und der Zeitplan der Hersteller.

Stand der Zahlen

Die Indexwerte stammen vom 17. Oktober 2026 (3DCenter, Basis Juli 2025), die Analystenaussagen von Barclays aus einem PCGH-Bericht vom 15. Oktober. Beides verschiebt sich monatlich.

DDR4 aufrüsten lohnt sich noch: Warum der alte Speicher gerade teurer wird

DDR4 ist seit Jahren Auslaufware, und genau das treibt ihn jetzt. Micron hat laut PCGH bereits 2025 angekündigt, die DDR4-Fertigung auslaufen zu lassen; beliefert werden vor allem langjährige Kunden aus Automobil-, Industrie- und Netzwerktechnik, Spieler stehen nicht im Fokus. Gleichzeitig wandern DRAM-Kapazitäten in Richtung High Bandwidth Memory für KI-Beschleuniger. Micron-Chef Sanjay Mehrotra erwartet, dass die Nachfrage das Angebot 2027 und 2028 übersteigt, und mehr als 75 Prozent der für 2027 geplanten Produktion sind nach seinen Worten schon vergeben.

Für den Endkunden heißt das: Der Speicher, der in Millionen AM4-Boards und vielen LGA-1700-Systemen steckt, wird knapper, weil er niemandem mehr wichtig ist. Asus soll laut Berichten sogar die Produktion älterer DDR4-Mainboards wieder hochgefahren haben, was zeigt, wie viele Leute lieber am alten Sockel bleiben als umzusteigen. Das große Bild zu RAM, Grafikkarten und Komplettsystemen zeichnet der Beitrag zur Frage PC aufrüsten oder neu kaufen.

19 Prozent in einem Monat – DDR4 ist die Gruppe mit dem größten Sprung

Der 3DCenter-Index setzt die günstigsten lieferbaren Angebote bei Geizhals ins Verhältnis zum Juli 2025. DDR4 steht dort im Oktober bei 388 Prozent, also knapp dem Vierfachen des Vorkrisenniveaus. DDR5 liegt bei 559 Prozent, gut dem Fünfeinhalbfachen, legte im Oktober aber nur um 2,7 Prozent zu. Der Abstand zwischen beiden schließt sich damit von unten: DDR4 holt auf, bleibt für dieselbe Menge Speicher laut 3DCenter aber weiterhin bei etwa der Hälfte dessen, was DDR5 kostet. PCGH kommt in seiner Oktober-Analyse auf dasselbe Verhältnis je Gigabyte.

Im Vertragsgeschäft der Chiphersteller sieht Barclays ein ähnliches Bild: DDR4-Vertragspreise plus 24 Prozent in drei Monaten, DDR5 plus 20 Prozent. Die Steigerungsrate sagt nichts über das absolute Niveau, DDR4 ist nicht plötzlich der teurere Speicher. Sie sagt nur, dass der Vorsprung des alten Standards schmilzt. TrendForce rechnet für das vierte Quartal bei konventionellem DRAM einschließlich DDR4 mit weiteren 10 bis 15 Prozent Aufschlag im Vertragsgeschäft. Wie es dazu kam, zeichnet der Beitrag zu den RAM-Preisen und der Frage, wann sie wieder sinken, von Anfang an nach.

Was bringen 32 GB einem AM4- oder LGA-1700-Rechner überhaupt?

Die Antwort hängt weniger am Sockel als am Spiel. 16 GB reichen für vieles aus dem Bestand, werden aber bei Titeln eng, die Texturen, Streaming und Hintergrundprogramme gleichzeitig im Speicher halten; dann hilft der Sprung auf 32 GB spürbar gegen Nachladeruckler und Alt-Tab-Pausen. Einen Rechner, dem die Grafikkarte oder die CPU die Grenze setzt, macht mehr RAM dagegen nicht schneller. PCGH formuliert es in seiner Analyse so: Auf AM4 und LGA 1700 lohnt eine Erweiterung vor allem dann, wenn die Kapazität nicht reicht.

Technisch ist der Weg einfach. AM4-Boards nehmen ausschließlich DDR4, bei LGA 1700 entscheidet das Mainboard, ob DDR4 oder DDR5 gesteckt wird; wer heute DDR4 drin hat, bleibt dabei. Ein Kit aus zwei Modulen mit je 16 GB, etwa DDR4-3200 als 32-GB-Kit*, ersetzt die alten Riegel oder ergänzt sie, je nachdem, wie viele Steckplätze frei sind. Vier Module mit zwei verschiedenen Kits laufen meist, aber nicht garantiert mit dem beworbenen Takt; wer das vermeiden will, tauscht komplett. Welche Prozessoren auf AM4 noch Sinn ergeben, wenn der Speicher den größten Posten stellt, hatten wir beim Blick auf Ryzen 5 5500F und 7500 schon einmal auseinandergenommen.

Prüfe gebrauchten Speicher mit Memtest86+, bevor du ihn behältst

Der Gebrauchtmarkt ist in der Krise voll geworden, weil viele beim Plattformwechsel ihre DDR4-Kits abgeben. Das Risiko ist nicht die Alterung, Speicher verschleißt kaum, sondern ein defektes Modul oder eines, das die beworbenen Timings nur mit der alten Plattform gehalten hat. PCGH nennt in seiner Analyse Memtest86+ 9.0 als Prüfweg, und das ist der richtige: Das Programm ist frei und quelloffen (GPL v2), wird auf einen USB-Stick geschrieben, startet unter UEFI wie unter Legacy-BIOS und testet den Speicher ohne laufendes Windows. Bei einer Secure-Boot-Meldung hilft laut Projektseite das Hinterlegen des Zertifikats oder das vorübergehende Abschalten von Secure Boot.

Praktisch heißt das: Erst das XMP- oder DOCP-Profil im BIOS laden, dann mindestens einen vollständigen Durchlauf abwarten, besser über Nacht. Null Fehler sind die Messlatte; ein einzelner Fehler ist kein Ausrutscher, sondern ein Rückgabegrund. Wer vom Verkäufer keine Rücknahme zugesichert bekommt, lässt die Finger davon.

Zwei Riegel nachstecken statt Mainboard, CPU und DDR5 auf einmal

Der Plattformwechsel hat ein Argument, das man nicht wegdiskutieren kann: Er kauft Zukunft. Neue Prozessorgenerationen erscheinen für die aktuellen Sockel, nicht mehr für AM4 oder LGA 1700. Nur ist der Einstieg gerade so teuer wie nie, weil DDR5 den höchsten Indexwert aller Speichergruppen trägt und ohnehin ein Board und eine CPU dazukommen. Wer wechselt, zahlt drei Komponenten zum ungünstigsten Zeitpunkt des Index, um einen Rechner zu bekommen, der in den meisten Spielen immer noch an der Grafikkarte hängt.

Das Nachstecken auf DDR4 ist dagegen die kleine Zahl im Vergleich. Es kostet einen Bruchteil des Umstiegs, hält den Rechner zwei oder drei Jahre spielfähig und lässt sich im Gegensatz zum Umstieg rückgängig machen: Ein DDR4-Kit bleibt verkäuflich, solange Micron der einzige große Hersteller ist, der aussteigt. Unschön ist nur der Zeitpunkt, denn jeder Monat Warten hat den alten Speicher zuletzt teurer gemacht, nicht billiger.

Barclays rechnet mit Entspannung frühestens 2029

Die Analysten von Barclays erwarten bei Micron eine angespannte Versorgungslage bis einschließlich 2028 und sehen eine Entspannung des Speichermarkts frühestens 2029. Das ist eine Analystenmeinung, abgeleitet aus Vertrags- und Spotpreisen, keine Zusage eines Herstellers; andere Stimmen in derselben Debatte reichen laut PCGH von Ende 2030 bis zum Acer-Chef, der eine Knappheit bis 2030 für unmöglich hält. 3DCenter selbst sieht in seinem Index kein Plateau und spricht von „noch einigen Jahren" mit überhöhten Preisen, weil zwischen Planung und Massenfertigung einer Speicherfabrik zweieinhalb bis drei Jahre liegen.

Für die Entscheidung heißt das vor allem eines: Auf eine Rückkehr der alten DDR4-Preise zu warten, ist keine Strategie. Der Speicher wird nicht wieder zur Massenware, weil ihn niemand mehr in Masse fertigt.

Die Empfehlung, sortiert nach Ausgangslage

  • Wer auf AM4 oder LGA 1700 mit 16 GB spielt und in aktuellen Titeln Nachladeruckler sieht: jetzt auf 32 GB nachlegen, am besten mit einem passenden Zwei-Modul-Kit, bevor der nächste Indexmonat kommt.
  • Wer 16 GB hat, aber nur ältere oder genügsame Spiele startet: nichts kaufen. Der Engpass sitzt woanders, und Speicher auf Vorrat ist in dieser Lage Geldanlage, keine Aufrüstung.
  • Wer gebrauchten DDR4 nehmen will: nur mit Rücknahmezusage, nur nach einem fehlerfreien Memtest86+-Durchlauf mit geladenem Profil.
  • Wer sowieso Mainboard und CPU tauschen muss, etwa wegen eines Defekts: dann DDR5 und neue Plattform, aber mit dem Wissen, dass der Speicher gerade den größten Posten stellt. Ob die Grafikkarte dabei gleich mitgeht, klärt der Beitrag Grafikkarte kaufen oder warten.
  • Wer einen Rechner bereits auf 32 GB DDR4 hat: ruhig bleiben. Der Wechsel auf 64 GB bringt in Spielen fast nichts, und der Plattformwechsel wartet besser auf einen Index, der nicht mehr monatlich steigt.

Welche Kombination in eurem Rechner steckt und ob 32 GB den Unterschied gemacht haben, lässt sich unter dem Beitrag nachtragen; gerade die LGA-1700-Fälle mit DDR4-Board sind in den Statistiken der Preisbeobachter kaum sichtbar.

Quellen