Ob man 2026 eine Grafikkarte kaufen oder lieber warten sollte, lässt sich inzwischen ziemlich klar beantworten — die Antwort fällt nur unbequem aus. Nvidia hat die Einkaufspreise für GPU-Kits in diesem Jahr in drei Runden um bis zu 30 Prozent angehoben, AMD zog mit mindestens 10 Prozent nach. Die Ursache ist dieselbe Speicherkrise, die auch den Arbeitsspeicher vervierfacht hat.
Preisstand August 2026: Was Grafikkarten aktuell kosten
Die Bewegung der letzten Monate lässt sich an einzelnen Modellen ablesen. Besonders auffällig ist die RTX 5060 Ti mit 16 GiByte: Sie startete bei rund 420 Euro und liegt inzwischen je nach Ausführung zwischen 495 und 573 Euro — damit rückt sie gefährlich nah an die nächstgrößere Karte heran.
| Modell | Preis August 2026 | Einordnung |
|---|---|---|
| Radeon RX 7600 | um 270 € | bestes Preis-Leistungs-Verhältnis |
| Geforce RTX 5060 Ti 16 GB | 495–573 € | starkes Gesamtpaket für 1080p und 1440p |
| Geforce RTX 5070 | ab 569 € | im Angebot, sonst ab 630 € |
| Radeon RX 9070 XT | 644–669 € | oft günstiger als die RTX 5070 Ti |
| Geforce RTX 5070 Ti | ab 889 € | Premium-Varianten über 1.280 € |
Wenn die kleinere Karte die größere überholt
Wenn eine 5060 Ti bei 573 Euro landet und eine 5070 im Angebot 569 Euro kostet, ergibt die untere Stufe keinen Sinn mehr. Preise vor dem Kauf tagesaktuell vergleichen — in diesem Markt verschieben sich die Verhältnisse innerhalb von Wochen.
Warum die Preise steigen: Es liegt nicht an den GPUs
Der Grund für die Aufschläge liegt nicht in der Chipfertigung, sondern beim Speicher. GDDR-Bausteine für Grafikkarten stammen aus derselben knappen Kapazität wie DDR5-Module, und die drei großen Hersteller haben ihre Fertigung zugunsten von KI-Rechenzentren verlagert.
Das erklärt auch, warum ein Wechsel der Marke nicht hilft: AMD und Nvidia kaufen beim selben Engpass ein. Wer bei Nvidia von der Preiswelle überrascht wird, findet bei AMD keine Zuflucht — dort kam dieselbe Erhöhung nur später und etwas milder.
Wie sich dieselbe Ursache auf den Arbeitsspeicher auswirkt, steht ausführlich im Artikel zu den RAM-Preisen und der Frage, wann sie wieder sinken. Die kurze Fassung: nicht vor 2028.
Angebotsseite: Warten bringt auch kein besseres Produkt
Die Preisdebatte verdeckt eine zweite Entwicklung, die für die Kaufentscheidung mindestens genauso schwer wiegt: Es kommt auf absehbare Zeit nichts Neues nach. Der für 2026 erwartete Super-Refresh der RTX-50-Reihe ist nach übereinstimmenden Berichten gestrichen — ausgerechnet, weil die dafür nötigen 3-GByte-GDDR7-Bausteine knapp sind. Von AMD ist im laufenden Jahr ebenfalls keine neue Gaming-Grafikkarte mehr zu erwarten, und die nächste Nvidia-Generation wird frühestens für das zweite Halbjahr 2027 gehandelt.
Wer auf das nächste Modell wartet, wartet nach heutigem Stand also nicht auf einen besseren Kauf, sondern auf denselben Kauf zu einem späteren Zeitpunkt — und voraussichtlich zu einem höheren Preis.
Bewegung gibt es allein am unteren Ende: Die Fertigung der GeForce RTX 3060 soll wieder anlaufen, und AMD hat mit der Radeon RX 9050 eine Karte mit 4 GByte Speicher nachgeschoben. Beides sind Notlösungen für den Einstiegsbereich, keine Antwort auf die Mittelklasse.
Was 3DCenter für Deutschland veranschlagt
Gegenüber dem Sommer 2025 hält die Analyseseite eine kumulierte Preisübertreibung von 35 bis 40 Prozent für möglich. Auffällig ist dabei weniger die Höhe als das Tempo: Die dritte Welle wurde vom europäischen Einzelhandel erkennbar schneller weitergereicht als die beiden davor.
Konsolen als Vergleichsmaßstab
Der Speichermangel trifft nicht nur den PC. Auch bei den Konsolenherstellern haben die gestiegenen Bauteilkosten zu Preisanpassungen geführt — Nintendo etwa hatte sich zur Preiserhöhung bei der Switch 2 zunächst gelassen gezeigt. Wer vom PC auf eine Konsole ausweichen will, entkommt der Ursache also nicht, sondern begegnet ihr nur in anderer Form.
Bewegung gibt es auch abseits der beiden großen Anbieter, etwa beim Start der chinesischen Gaming-GPU Lisuan 7G100. Für den deutschen Einzelhandel spielt das derzeit allerdings keine Rolle.
Läuft der Rechner noch, oder ist er hin?
Die Entscheidung hängt an einer einzigen Frage: Läuft dein aktueller Rechner noch?
Wenn ja, ist Nichtstun die beste Option. Moderne Bildhochskalierung hat die Anforderungen entschärft — DLSS und FSR halten auch ältere Karten in aktuellen Spielen brauchbar. Wer 2026 eine funktionierende GPU gegen eine geringfügig schnellere tauscht, zahlt Krisenaufschlag für einen Unterschied, den er im Spiel kaum bemerkt.
Wenn nein, kaufe jetzt und spekuliere nicht. Alle vorliegenden Prognosen sehen die Entspannung frühestens 2028, mit 2027 als Höhepunkt. Wer auf das nächste Jahr wartet, wartet nach heutigem Stand auf höhere Preise.
Bei der Auswahl verschiebt sich die Priorität. In normalen Zeiten lautet die Empfehlung, lieber eine Klasse höher zu greifen. In diesem Markt gilt das Gegenteil: Die untere Mittelklasse ist prozentual am stärksten gestiegen, weshalb die Preisabstände zwischen den Stufen zusammenschmelzen. Wer 550 Euro einplant, sollte prüfen, ob die nächsthöhere Karte im Angebot nicht fast dasselbe kostet.
Und ein Punkt, der leicht untergeht: Spare nicht am Arbeitsspeicher, um die GPU zu finanzieren. 16 GB sind 2026 die untere Grenze, und Nachrüsten wird eher teurer als billiger. Wer beides gleichzeitig braucht, fährt mit einer Klasse weniger GPU und ausreichend RAM besser als umgekehrt.
Ob die Prognosen halten, ist offen. Sie beruhen auf Annahmen über den KI-Ausbau und den Zeitplan neuer Fabriken. Bricht die Nachfrage aus den Rechenzentren früher ein, könnte es schneller gehen — verlassen sollte man sich darauf nicht.
Der Krisenaufschlag trifft jeden, der jetzt kaufen muss — verschont wird nur, wessen Rechner noch durchhält. Welche Karte ihr zuletzt zu welchem Preis bekommen habt, gehört in die Kommentare.
