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Ob du 2026 eine Grafikkarte kaufen oder lieber noch warten solltest, lässt sich inzwischen ziemlich klar beantworten — die Antwort fällt nur unbequem aus. Stand: 10. September 2026. Im Handel läuft gerade die nächste Preisrunde an: Asus und Galax haben zum 1. September die Vertriebspreise angehoben, MSI, Gigabyte und Inno3D zogen binnen einer Woche nach. Bei der Geforce RTX 5070 sind es bis zu 90 US-Dollar mehr.
Grafikkarte kaufen oder warten: die kurze Antwort
- Dein Rechner läuft noch? Nicht kaufen. Du zahlst gerade Krisenaufschlag für ein paar Prozent Mehrleistung. Alle Prognosen sehen die Entspannung frühestens 2028.
- Dein Rechner ist hin oder die Karte zu langsam? Jetzt kaufen, nicht spekulieren. Jede Woche Warten kostet im Schnitt Geld, nicht umgekehrt.
- Deine Preisschwelle: Unter rund 550 Euro bekommst du derzeit sinnvoll nur noch die Radeon RX 9070 GRE mit 12 GiByte. Zwischen 700 und 900 Euro musst du tagesaktuell vergleichen, weil dort die Karten preislich übereinanderliegen. Ab etwa 1.100 Euro beginnt ein Bereich, in dem du 2026 schlicht nicht kaufen solltest, wenn du nicht musst.
Preise im Handel: der aktuelle Stand
Die Aufschläge der letzten Wochen sind im Einzelhandel angekommen. Zwischen Juli und August lag die Verteuerung bei rund 13 Prozent, seit Mitte August kamen noch einmal gut vier Prozent dazu. Die Septemberrunde steckt in diesen Zahlen noch nicht drin.
| Modell | Preis Anfang September 2026 | Einordnung |
|---|---|---|
| Geforce RTX 5050 | um 280 € | Notlösung, 8 GiByte |
| Geforce RTX 5060 | ab rund 360 € | Einstieg, 8 GiByte |
| Radeon RX 9070 GRE 12 GB | um 520 € | die einzige stabile Karte im Feld |
| Geforce RTX 5060 Ti 16 GB | bis rund 750 € | solide für 1080p und 1440p, aber teuer geworden |
| Geforce RTX 5070 12 GB | ab rund 715 € | von der Septemberrunde direkt betroffen |
| Radeon RX 9070 XT 16 GB | ab rund 720 € | bestes Paket in dieser Preisklasse |
| Geforce RTX 5070 Ti | ab rund 1.126 € | über 300 Euro Abstand zur RX 9070 XT |
| Geforce RTX 5080 | ab rund 1.350 € | Juni 2025 waren es 1.100 € |
| Geforce RTX 5090 | 4.800 bis 5.000 € | rund 96 Prozent über dem Niveau von September 2025 |
Der eine Lichtblick: die RX 9070 GRE
Die Radeon RX 9070 GRE* kam Anfang Juni zu 559 Euro UVP und ist seitdem als einzige Karte im Feld billiger geworden — sie liegt jetzt bei rund 520 Euro. Der Grund ist unspektakulär: 12 GiByte GDDR6 statt 16 GiByte GDDR7 heißt weniger Speicherkosten pro Karte. Wer heute unter 600 Euro etwas Vernünftiges sucht, landet fast zwangsläufig hier.
Wenn die kleinere Karte die größere überholt
Die Geforce RTX 5060 Ti mit 16 GiByte* ist von rund 420 Euro zum Start bis in den Bereich um 700 Euro geklettert und steht damit gefährlich nah an RTX 5070 und RX 9070 XT. Prüfe vor dem Kauf immer, ob die nächsthöhere Stufe nicht fast dasselbe kostet — in diesem Markt verschieben sich die Verhältnisse innerhalb von Wochen.
Warum die Preise steigen: Es liegt nicht an den GPUs
Der Grund für die Aufschläge liegt nicht in der Chipfertigung, sondern beim Speicher. GDDR-Bausteine für Grafikkarten stammen aus derselben knappen Kapazität wie DDR5-Module, und die großen Hersteller haben ihre Fertigung zugunsten von KI-Rechenzentren verlagert. Je mehr Speicher auf der Platine sitzt, desto härter schlägt das durch — deshalb trifft die Septemberrunde ausgerechnet die 16-GiByte-Modelle, während RTX 5050 und RTX 5060 diesmal gar nicht auf den Listen stehen.
Ein Markenwechsel hilft dir dabei nicht: AMD und Nvidia kaufen beim selben Engpass ein. Wer bei Nvidia von der Preiswelle überrascht wird, findet bei AMD keine Zuflucht — dort kam dieselbe Erhöhung nur später und etwas milder an.
Wie sich dieselbe Ursache auf den Arbeitsspeicher auswirkt, steht ausführlich im Artikel zu den RAM-Preisen und der Frage, wann sie wieder sinken. Die kurze Fassung: nicht vor 2028.
Angebotsseite: Warten bringt auch kein besseres Produkt
Die Preisdebatte verdeckt eine zweite Entwicklung, die für deine Kaufentscheidung mindestens genauso schwer wiegt: Es kommt auf absehbare Zeit nichts Neues nach.
Der Super-Refresh der RTX-50-Reihe liegt weiter auf Eis. Fertige Muster von RTX 5070 Super, 5070 Ti Super und 5080 Super sollen bei Boardpartnern längst liegen, doch die dafür vorgesehenen 3-GByte-GDDR7-Chips kosten 60 bis 70 US-Dollar pro Stück statt 20 wie die üblichen 2-GByte-Bausteine. Ein Termin existiert nicht; als frühester Zeitraum wird Anfang 2027 gehandelt, und selbst das ist unsicher.
Nvidia schichtet parallel Kapazität um: Aus den vorhandenen Blackwell-Chips werden lieber Profi-Beschleuniger der RTX-Pro-Reihe als Spielergrafikkarten. Das erklärt auch, warum die RTX 5090 preislich davongaloppiert. Von AMD ist in diesem Jahr keine neue Gaming-Grafikkarte mehr zu erwarten, die nächste Architektur wird für frühestens 2027 gehandelt.
Wer auf das nächste Modell wartet, wartet nach heutigem Stand also nicht auf einen besseren Kauf, sondern auf denselben Kauf zu einem späteren Zeitpunkt — und voraussichtlich zu einem höheren Preis.
Konsolen als Vergleichsmaßstab
Der Speichermangel trifft nicht nur den PC. Auch bei den Konsolenherstellern haben die gestiegenen Bauteilkosten zu Preisanpassungen geführt — Nintendo etwa hatte sich zur Preiserhöhung bei der Switch 2 zunächst gelassen gezeigt. Wer vom PC auf eine Konsole ausweichen will, entkommt der Ursache also nicht, sondern begegnet ihr nur in anderer Form.
Bewegung gibt es auch abseits der beiden großen Anbieter, etwa beim Start der chinesischen Gaming-GPU Lisuan 7G100. Für den deutschen Einzelhandel spielt das derzeit allerdings keine Rolle.
Läuft der Rechner noch, oder ist er hin?
Die Entscheidung hängt an einer einzigen Frage: Läuft deine aktuelle Kiste noch?
Wenn ja, ist Nichtstun die beste Option. Bildhochskalierung hat die Anforderungen entschärft, DLSS und FSR halten auch ältere Karten in aktuellen Spielen brauchbar. Ein Wermutstropfen: Das seit dem 3. September verfügbare DLSS 5 bleibt offiziell der RTX-50-Serie vorbehalten, RTX 20, 30 und 40 gehen leer aus. Ein Grund zum Aufrüsten zu diesen Preisen ist das trotzdem nicht.
Wenn nein, kaufe jetzt und spekuliere nicht. Der Markt gibt dir kein besseres Fenster mehr, weder beim Preis noch beim Produkt.
Bei der Auswahl verschiebt sich die Priorität. In normalen Zeiten lautet die Empfehlung, lieber eine Klasse höher zu greifen. In diesem Markt gilt das Gegenteil: Die untere Mittelklasse ist prozentual am stärksten gestiegen, die Abstände zwischen den Stufen schmelzen zusammen. Wer 550 Euro einplant, sollte prüfen, ob die nächsthöhere Karte im Angebot nicht fast dasselbe kostet — und wer bei 700 Euro landet, vergleicht RX 9070 XT und RTX 5070 wirklich tagesaktuell.
Und ein Punkt, der leicht untergeht: Spare nicht am Arbeitsspeicher, um die GPU zu finanzieren. 16 GB sind 2026 die untere Grenze, und Nachrüsten wird eher teurer als billiger. Wer beides gleichzeitig braucht, fährt mit einer Klasse weniger GPU und ausreichend RAM besser als umgekehrt.
Ob die Prognosen halten, ist offen. Sie beruhen auf Annahmen über den KI-Ausbau und den Zeitplan neuer Fabriken. Bricht die Nachfrage aus den Rechenzentren früher ein, könnte es schneller gehen — verlassen solltest du dich darauf nicht. Immerhin: Nvidias Durchschnittspreise sinken zuletzt, weil sich Käufer schlicht zurückziehen. Auch das ist ein Signal.
Der Krisenaufschlag trifft jeden, der jetzt kaufen muss — verschont wird nur, wessen Rechner noch durchhält. Welche Karte habt ihr zuletzt zu welchem Preis bekommen, und würdet ihr heute nochmal zuschlagen?
