Ein Spiel, das seit Januar 2024 als PlayStation-Projekt galt, hat den Herausgeber gewechselt. Physint von Kojima Productions erscheint künftig unter dem Dach von Xbox, gemeinsam mit dem bereits laufenden Horrorprojekt OD. Beide Unternehmen haben die Ausweitung ihrer Partnerschaft am 9. September bestätigt.
Physint: Was Xbox und Kojima Productions mitgeteilt haben
Die Mitteilung auf Xbox Wire fällt knapp aus und nennt vor allem eines nicht: Termine. Weder ein Erscheinungsjahr noch eine Plattformliste stehen darin, ebenso wenig ein Wort zu Gameplay oder Umfang. Bestätigt ist ausschließlich, wer das Spiel künftig veröffentlicht.
This expands our relationship with XBOX beyond OD. As we move forward with the development of PHYSINT, we remain committed to redefining the action-espionage genre for players around the world. — Hideo Kojima, Kojima Productions
Von Xbox-Seite antwortet CEO Asha Sharma mit dem Hinweis, Kreative hätten die Wahl, wo und wie sie ihre Ideen umsetzen, und man fühle sich geehrt, dass Kojima sich für Xbox entschieden habe. Kojima Productions veröffentlichte tags darauf eine eigene Notiz, in der von einer Fortsetzung der Reise mit Sharma und ihrem Team die Rede ist. Ausdrücklich genannt wird außerdem, dass die Zusammenarbeit über Spiele hinausgeht und Film- sowie Fernsehstoffe einschließt.
Sony hat das Projekt Berichten zufolge aus Kostengründen abgegeben
Weder Xbox noch Kojima Productions erwähnen PlayStation mit einem Wort. Die Vorgeschichte stammt aus der Wirtschaftsberichterstattung: Bloomberg berichtete, Sony habe Physint wegen des Budgets, verpasster Termine sowie Zweifeln an Rentabilität und Exklusivität fallen lassen, und nennt als Hintergrund die kommerzielle Bilanz von Death Stranding und dessen Nachfolger.
Belegt ist das über die offiziellen Kanäle nicht. Was sich belegen lässt, ist die Richtung: Ein Studio, das seit dem Bruch mit Konami als PlayStation-nah galt, arbeitet nun an zwei Projekten für den Wettbewerber. Für Sony reiht sich das in eine Serie teurer Korrekturen ein, von der gestoppten PC-Portierungsstrategie bis zur Bilanz der Bungie-Übernahme.
Kein Termin, keine Plattformliste, kein Gameplay
Physint wurde im Januar 2024 als Kojimas Rückkehr zum Action-Espionage-Genre angekündigt. Seither ist öffentlich wenig dazugekommen. Der Herausgeberwechsel ändert daran nichts: Er sagt, wer das Spiel bezahlt und vertreibt, nicht wann es fertig ist.
| Frage | Stand nach der Ankündigung |
|---|---|
| Herausgeber | ✅ Xbox, offiziell bestätigt |
| Plattformen | ❌ nicht genannt |
| Erscheinungsjahr | ❌ nicht genannt |
| Gameplay-Material | ❌ nicht gezeigt |
| OD | ✅ läuft weiter, ebenfalls bei Xbox |
Erst OD, dann Physint
Die Partnerschaft ist nicht neu. OD entstand bereits unter Xbox, Physint kommt jetzt dazu, und beide Seiten beschreiben das als Ausbau einer bestehenden Beziehung statt als Neuanfang. Das ist der Unterschied zu einer klassischen Übernahme: Kojima Productions bleibt eigenständig, Xbox übernimmt die Veröffentlichung.
Für Microsoft passt der Schritt zu einer Linie, die sich seit einiger Zeit abzeichnet. Exklusivität wird dort längst nicht mehr als Selbstzweck behandelt, was sich unter anderem daran ablesen lässt, wie breit das Angebot inzwischen über die Stufen des Game Pass verteilt ist.
Was der Wechsel für Leute ohne Xbox-Gerät bedeutet
Zunächst wenig Beunruhigendes. Xbox veröffentlicht seine großen Titel seit Jahren auf dem PC, und keine der beiden Mitteilungen nennt eine Konsolenexklusivität. Solange keine Plattformliste vorliegt, bleibt das allerdings eine begründete Erwartung und keine Zusage.
Ärgerlicher ist die Zeitrechnung. Ein Wechsel des Herausgebers mitten in der Entwicklung kostet in aller Regel Monate, weil Verträge, Technik und Marketingplanung neu aufgesetzt werden. Physint war ohnehin kein Titel, mit dem in absehbarer Zeit zu rechnen war; nach diesem Schritt gilt das noch etwas deutlicher.
Was bleibt, ist ein bemerkenswerter Vorgang in der Sache selbst: Ein Publisher lässt ein fertig verhandeltes Projekt eines der bekanntesten Entwickler der Branche los, und der Wettbewerber greift es innerhalb weniger Monate ab. Wie oft so etwas vorkommt, lässt sich schwer beziffern — dass es überhaupt öffentlich wird, ist selten genug.
