Auf der Computex hatte AMD das KI-Upscaling für die RDNA-2-Generation erst für Anfang 2027 angekündigt; am 20. Oktober 2026 kam es mit dem Treiber Adrenalin Edition 26.10.1 ein gutes Vierteljahr früher. Für Besitzer einer Radeon RX 6700 XT, 6800 oder 6950 XT ist FSR 4.1 RX 6000 damit kein Zukunftsversprechen mehr, sondern ein Schalter im Treiber. Was er bewirkt, was er bewusst nicht tut und was vor dem Umschalten geklärt sein sollte, steht hier.
Stand der Angaben
Die Release Notes zu Adrenalin 26.10.1 (Artikel RN-RAD-WIN-26-10-1) wurden am 20. Oktober 2026 veröffentlicht und für diesen Beitrag direkt bei AMD gelesen. Alle Leistungszahlen stammen von AMD selbst; unabhängige Messungen auf RDNA 2 lagen zum Zeitpunkt des Schreibens nicht vor.
FSR 4.1 RX 6000: Was Adrenalin 26.10.1 freischaltet und was nicht
AMD führt in den Release Notes unter „New Features" die Unterstützung für „AMD FSR Upscaling 4.1" auf: für alle Grafikkarten der Radeon-RX-6000-Serie sowie für die Prozessoren Ryzen AI Max 300 und 400 und Ryzen AI 9 300 und 400. Das Wort „Upscaling" steht da nicht zufällig. AMD hat FSR 4 inzwischen in FSR Upscaling umbenannt, um es von den übrigen Bausteinen des Pakets „Redstone" zu trennen; in manchen Spielmenüs heißt der Eintrag laut AMD aber weiterhin FSR 4.
Kompatibel ist der Treiber laut AMD mit den Desktop-Serien RX 6900, 6800, 6700, 6600, 6500 und 6400 sowie den mobilen Varianten RX 6800M bis 6300M, unter Windows 10 ab Version 21H2 und Windows 11. Handhelds fallen ausdrücklich heraus: Der Referenztreiber enthält keine Unterstützung für Handheld-Geräte, dort ist der Gerätehersteller zuständig. Das Steam Deck taucht in keiner Liste auf, und für die Xbox Series X|S nennt AMD lediglich ein „bald" ohne Datum.
Neben FSR gibt es in 26.10.1 drei neue Spielprofile (Call of Duty: Modern Warfare 4, Star Wars: Galactic Racer, Final Fantasy Resonance) und genau einen behobenen Fehler, der die RX 6000 direkt betrifft: Ruckeln in Modern Warfare 4. Unter den bekannten Problemen steht ein Punkt, der ältere Systeme angeht: AMD Smart Access Memory kann nach der Treiberinstallation unter Windows 10 deaktiviert sein. Unter Windows 10 lohnt nach der Installation ein Blick ins BIOS, ob der Schalter noch steht; was das Supportende für Spieler sonst bedeutet, steht im Beitrag zum Weiterspielen unter Windows 10.
Upscaling ja, Frame Generation und Ray Regeneration nein
Die Hardware-Tabelle auf AMDs FSR-Seite ist eindeutig: Das vollständige Redstone-Paket mit KI-gestützter Frame Generation und Ray Regeneration gibt es für die Radeon RX 9000 und neuer. Für RX 6000 und RX 7000 steht dort „Upscaling Only". Eine RX 6800 bekommt also das neue Rekonstruktionsverfahren für das Bild, behält aber die bisherige FSR-3.1-Frame-Generation, wenn ein Spiel sie anbietet, und bekommt keine KI-Entrauschung für Raytracing.
Das ist weniger Verlust, als es klingt. Der sichtbare Fortschritt von FSR 4 gegenüber FSR 3.1 lag immer in der Bildqualität des Upscalers: weniger Flimmern an feinen Kanten, weniger Schlieren hinter bewegten Objekten, stabilere Vegetation. Genau dieser Teil kommt jetzt auf die alten Karten. Frame Generation dagegen hat auf einer RX 6700 XT, die in 1440p ohnehin um die 60 Bilder kämpft, ihre Tücken, weil sie Eingabelatenz kostet, wo sie am wenigsten verkraftet wird. Wer gerade überlegt, ob die alte Karte noch ein Jahr durchhält, findet die Marktlage im Beitrag Grafikkarte kaufen oder warten.
Wie viel Leistung kostet das INT8-Modell auf RDNA 2?
Die RX 6000 hat keine dedizierten KI-Einheiten. Deshalb rechnet FSR 4.1 dort nicht über den FP8-Pfad der RX 9000, sondern über ein INT8-Modell, dasselbe Prinzip, mit dem AMD das Upscaling im Sommer auf die RX 7000 gebracht hat. AMD gibt an, Modell und Berechnung für die ältere Architektur optimiert zu haben; PCGH hatte auf RDNA 3 zwischen INT8- und FP8-Variante kaum Unterschiede in der Bildqualität gesehen.
Zur Leistung gibt es bisher nur AMDs eigene Zahl: Eine RX 6800 XT soll in Crimson Desert in 4K mit Ultra-Details von 95 Bildern pro Sekunde mit FSR 3.1 auf 101 mit FSR 4.1 kommen, ein Plus von gut sechs Prozent. Welches Qualitätspreset dahintersteckt, nennt AMD nicht für jeden Vergleich. Inoffizielle Versuche, FSR 4 vor dem offiziellen Treiber per INT8 auf einer RX 6800 XT zu erzwingen, hatten zuvor Leistungsverluste von bis zu 20 Prozent gegenüber FSR 3 gezeigt; diese Messungen stammen aus einer Bastellösung ohne AMDs Optimierungen und taugen nicht als Maßstab für den jetzigen Treiber. Belastbar ist bis zu unabhängigen Tests nur die Richtung: Das neue Modell ist auf RDNA 2 rechenintensiver als FSR 3.1, und AMD gleicht das über ein schlankeres Modell aus. Wie viel davon in einem konkreten Spiel übrig bleibt, muss jeder am eigenen Rechner sehen.
Schalte FSR 4.1 über den Treiber frei, wenn das Spiel FSR 3.1 mitbringt
AMD beschreibt auf seiner FSR-Seite zwei Wege. Spiele mit nativer Integration zeigen den Eintrag direkt im Grafikmenü, teils noch unter dem Namen FSR 4. Für alle anderen Spiele, die FSR 3.1 oder neuer enthalten, tauscht die AMD Software die Bibliotheken aus. Der Weg laut AMD:
- Das Spiel beenden und AMD Software: Adrenalin Edition öffnen.
- Den Reiter „Gaming" wählen, darunter den Unterreiter „Graphics" für die globalen Grafikeinstellungen.
- Den Schalter „AMD FSR Upscaling" einschalten. Der zweite Schalter „AMD FSR Frame Generation" setzt laut AMD ein Spiel mit FSR 3.1.4 oder neuer voraus und greift auf einer RX 6000 nicht, weil die KI-Frame-Generation den RX 9000 vorbehalten bleibt.
- Das Spiel starten, dort FSR 3.1 aktivieren, falls noch nicht geschehen, und das gewünschte Qualitätspreset wählen. Der Treiber ersetzt dann die Berechnung durch das neue Modell.
AMD empfiehlt an derselben Stelle, in Spielen mit Unterstützung zusätzlich Radeon Anti-Lag 2 einzuschalten. Ob der Austausch in einem bestimmten Spiel aktiv ist, verrät das Spiel selbst nicht; AMD führt eine Liste der unterstützten Titel und spricht von über 400 Spielen für die Technik insgesamt. Diese Zahl bezieht sich auf das gesamte FSR-Angebot, nicht speziell auf das, was eine RX 6000 davon nutzt.
Treiberstand, FSR-Version des Spiels und Vulkan
Drei Punkte entscheiden, ob der Schalter überhaupt etwas tut.
Erstens der Treiber selbst. 26.10.1 ist der erste Stand mit der Unterstützung; ältere Versionen bieten den Schalter zwar für RX 7000 und 9000 an, auf einer RX 6000 bleibt er wirkungslos. Wer bei der Installation unter Windows 10 anschließend Leistungsverlust sieht, prüft zuerst Smart Access Memory, siehe oben.
Zweitens die FSR-Version des Spiels. Der Austausch funktioniert nur, wenn das Spiel FSR 3.1 oder neuer als austauschbare Bibliothek mitbringt. Spiele mit FSR 2 oder einer fest einkompilierten Version bleiben, wie sie sind, ganz gleich, was der Treiber anbietet. Die Angabe steht in den Patchnotes des Spiels oder auf AMDs Spieleliste.
Drittens die Grafikschnittstelle. FSR 4 läuft derzeit nur unter DirectX 12. Für Vulkan plant AMD die Unterstützung über das FSR SDK 2.4, ohne Termin; ob der Treiber-Override später auch Vulkan-Spiele erfasst, ist offen. Für Spiele, die auf Vulkan setzen, bringt dieser Treiber also noch nichts. Dasselbe gilt für Linux, zu dem AMD sich nicht festgelegt hat.
Eine RX 6700 XT gewinnt Zeit, keine neue Leistungsklasse
Der Treiber macht aus einer vier Jahre alten Karte keine schnellere, aber eine, die länger gut aussieht. Wer in 1440p mit dem Qualitätspreset spielt, bekommt mit dem neuen Modell ein ruhigeres Bild bei ähnlicher Bildrate; wer bisher wegen der Artefakte auf FSR verzichtet und nativ gerendert hat, kann den Upscaler jetzt neu bewerten und damit tatsächlich Leistung gewinnen, weil er eine Stufe tiefer rendern darf. Das ist der eigentliche Effekt, nicht die sechs Prozent aus AMDs Folie.
Für die Kaufentscheidung heißt das: Eine RX 6800 oder 6700 XT, die in den eigenen Spielen noch reicht, bekommt mit 26.10.1 das wichtigste Argument der RX 9000, die Bildqualität des Upscalers, nachgeliefert. Frame Generation und Ray Regeneration bleiben die Gründe für einen Wechsel, und beide zählen vor allem bei Raytracing in hohen Auflösungen. Wer an einem WQHD-Monitor spielt, braucht sie seltener als an einem 4K-Gerät; die Wahl des Bildschirms ist dafür ein eigenes Thema, siehe Gaming-Monitor kaufen. Was unabhängige Messungen zur Bildqualität und zum Leistungsabzug auf RDNA 2 ergeben, tragen wir nach, sobald sie vorliegen.
